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Traditionen, Geschichten und Wissen eines alten Weges

Aberglaube und Zauberkraft der Hexentiere (Teil II)


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In diesem Teil über Aberglauben und Zauberkraft der Hexentiere  geht es um verschiedene Vögel. In Federmagie habe ich ja bereits einiges über Federn bestimmter Vogelarten zusammengefasst. Im Folgenden will ich aber nun interessante und teilweise kuriose Dinge über die Tiere selbst beschreiben. Insbesondere natürlich die ihnen zugesprochenen magischen Eigenschaften und den sie betreffenden alten Volks- und Aberglauben.
Anfangen will ich mit der Gans, die neben Rabe und Eule einer der bekanntesten Hexenvögel ist. Ihr wird eine gewisse Ähnlichkeit zum Schwan nachgesagt, der ja im alten heidnischen Glauben ein sehr mythisches Tier der Götter ist (siehe zB. die germanischen Walküren).
Gänse sind sehr klug und sollen wahrsagerische Fähigkeiten haben. So kann man Jahr für Jahr erkennen, dass der Winter naht, wenn die wilden Schneegänse ihren Vogelzug beginnen. Man glaubte auch, die Gänse seinen ein Teil der wilden Horde von Wotan oder Holla/Holle, da sie besonders zu den Rauhnächten am Winterhimmel zu sehen sind. Ihr lautes Geschrei, während sie in Scharen über den Himmel ziehen, erinnerte die Menschen an eine aufgewühlte Jagdgesellschaft.
Wilde Gänse, und unter ihnen insbesondere die schwarzen und dunklen Tiere, sollte man niemals verärgern, da sie sehr zauberkräftig sind und der Göttin Holle/Hulda unterstehen. Im Volksglauben war man auch der Meinung, dass Hexen sich beizeiten in ebensolche Vögel verwandeln können.

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Und tatsächlich sind diese wilden Gänse in der Magie etwas ganz besonderes. Ihre Federn (wenn man denn das Glück hat, eine solche zu finden) stellen immer ein Geschenk der Göttin Holle/Hulda dar. Sie entfalten ihren magischen Schutz gegen alle, die uns (besonders uns Hexen) nicht wohlgesonnen sind. Und so ist derjenige, der eine solche bei sich trägt, gut geschützt gegen allerlei Missgeschick.
Aber auch für profanere Dinge wurde die Kraft der Gänse genutzt. Wer sich beispielsweise im Frühjahr mit dem ersten jungen Gänschen, welches  er sieht, das Gesicht bestreicht, bleibt im folgenden Jahr von Sommersprossen und Warzen frei, so zumindest der Glaube. Man sollte aber auch die mögliche psychosomatische Heilkraft solcher Handlungen nicht unterschätzen.

Wenn eine Gans im Sonnenaufgang zum Tag der 1. Maiennacht/Walpurgisnacht den Weg einer unverheirateten Person kreuzte, wusste man, dass aus der Richtung aus der sie kam, dann auch  der spätere Ehegatte/in kommen würde. Selbiges galt übrigens auch für eine gefundene Gänsefeder, je nachdem in welche Richtung ihre Spitze zeigte.

Weiße Hausgänse sollen ohnehin immer gut behandelt werden, denn sie schützen Haus und Hof und bringen Glück. Dies hat nicht nur übernatürliche Gründe, denn Gänse zeigen sich erwiesenermaßen besonders sensibel für geophysische und wetterbedingte Ungewöhnlichkeiten. Und als Alarmanlge für das Grundstück eignen sie sich auch vorzüglich.
Natürlich sind die weißen Federn der Hausgänse auch im magischen Sinne nützlich. Sie können für den Partner stehen, den es zu finden gilt. Dieser soll dann auch der wahre Seelenpartner sein (siehe hier im Blog unter zauberhaftes durch die Feder). Die Federn verheißen stets Glück und Schutz vor Krankheiten.
Ein wenig fehlt ihnen aber die magische Power, da geht eben nichts  über die wilde Natur.

Der Drudenfuß übrigens, auch bekannt als  Pentagramm, soll dem Volksglauben nach aus dem Gänsefussabdruck entstanden sein. Dieser wiederum stamme oftmals von der Frau Holle, Percht und/oder Frau Gode, wenn sie über das Land gehe… wo wir dann wieder bei der Göttin wären und der Kreis sich schließt. Im Aberglauben war der Drudenfuß schon immer weit verbreitet und soll vor Verhexungen und anderen Schadenszaubern schützen. Allerdings wird er oft auch als böses Zeichen für Teufelswerk und schwarzmagische Rituale gedeutet, was natürlich völliger Blödsinn ist.

Die Taube.
Sie sind ja leider heute meist als Stadtvogelplage verschrieen und werden mancherorts generalstabsmäßig bekämpft. In symbolischer Hinsicht sind zwei Bedeutungen allgemein bekannt: Die weiße Friedenstaube und die Brieftaube.
Ihre Bedeutung in der Geschichte des Volksglaubens ist aber vielfältig. Die Taube ist der Göttin, wie z.B.  Aphrodite und auch der sumerischen Göttin Isthar geweiht. Dies wurde auch in den christlichen Glauben (und andere) adaptiert und so sieht man auch hier die Taube, besonders die Turteltaube, als “ Herrgottsvogel“ an.  Daher durfte sie niemals getötet werden, was ja an sich sehr positiv ist. Im Volksglauben gelten Turteltauben als Glücksbringer, wie man auch heute noch am Brauch sieht, weiße Turteltauben am Hochzeitstag nach der Trauungszeremonie fliegen zu lassen.
Auch  sollen sie Krankheiten an sich ziehen können, aber nur dann, wenn man die Tauben als Geschenk erhält und sie nicht gekauft wurden. Mit Taubenblut glaubte man früher die Sommersprossen, Warzen und Narben im Gesicht heilen zu können.  Und dort, wo die Tauben (welche Rasse auch immer) sich am Haus aufhalten, schlägt der Blitz nicht ein und das Glück hat Bestand.
In  Magie und Zauberei  dienen Tauben bzw. ihr Blut und besonders ihre Federn dem Liebeszauber. (doch  bitte jetzt keine Täubchen zum Zwecke eines Zaubers abschlachten)
Der Flug der Tauben gibt Schicksalszeichen an. Auch hier ist es so, dass die Richtung aus der sie geflogen kommt, anzeigt, woher der/die  zukünftige Liebste kommen wird. Oder ob die Göttin eine Bitte erhört hat und wohin der Weg einen Reisenden führen wird.

Die Schwalbe ist die kleine Flugkünstlerin schlechthin.

Wie die Taube, ist auch die Schwalbe der Göttin (siehe Aphrodite oder germ. Idun/Iduna uvm.) geweiht und in der christlichen Adaption gilt sie als Muttergottesvögelein,  wobei im allgemeinen die sogenannte Muttergottes für nichts anderes steht, als die Göttin. Die Schwalbe ist die Frühlingsbotin, sie bringt die fruchtbare, blühende  Zeit mit von ihren Reisen aus dem Süden.

Sie hat eine ganz besondere Beziehung zum Menschen, denn sie nistet gern an Häusern , in den Stuben oder an Stallungen. Und so war man der Auffassung, dass dort, wo sich Schwalben  dem Hausstand anschlossen, Friede und Gastfreundschaft herrschten. Jedes Haus oder jeder Stall, an denen die Schwalbe nistete,  wurde als vor Blitz und Feuer geschützt betrachtet. Auch sie durften nicht getötet, oder gar ihre Nester ausgenommen werden, das war  eine schwere Sünde. Und wer es trotzdem tat, über den würde großes Unglück in vielfältiger Form kommen. Vom Hausbrand bis Blitzschlag und Kühen, die keine Milch mehr geben, war dann alles als Strafe denkbar, so zumindest der Aberglaube.

Wenn nun eine Schwalbe 7 Jahre lang im selben Nest gebrütet hatte, bestand nach altem Aberglauben die Möglichkeit, dass sie einen Schwalben-Stein zurücklässt. Wie dieser Stein aussehen soll, vermag ich aber nicht zu sagen. Ich nehme an, dass man hier wohl versteinerte Exkremente verwechselt hat. Dieser Stein jedenfalls soll große Heilkraft, besonders bei Augenleiden, bringen und um den Hals als Amulett getragen, soll er vor bösen Blicken und anderen böswilligen Zaubern schützen.

Im magischen Verständnis bedeutet die Schwalbe, oder ihre Feder eine Botschaft aus der Ferne. Es können sich Veränderungen anbahnen, wie z.B. eine Familiengründung oder  die Voraussetzungen, häuslich/sesshaft zu werden.

Ein weiterer Hexenvogel ist die Elster.

eddaeee27e210b03a8d2f0fbae5c54ac-teresawinchester-co-ukSie gehört wie die Krähe  zur Familie der Rabenvögel, welche für ihre hohe Intelligenz bekannt sind. Sie soll der Göttin Hel, oder auch der Göttin Skadi geweiht sein  (ich habe aber bisher keine wirklich eindeutigen Quellen darüber finden können) . Als Rabenvogel ist sie nach der Mythologie ein Vogel, der zwischen den Welten, dem Diesseits und dem Jenseits, wandelt. Auch können Geister oder Tote in Gestalt einer Elster mit Botschaften zu uns kommen (ist auch bekannt vom Raben selber). Im christlichen Aberglauben  wird hingegen angenommen, dass die Elster verflucht sei, da sie nach dem Tod von Jesus nicht in tiefe Trauer verfiel wie die meisten anderen Vögel, sondern fröhlich weiter schackerte (Schackern ist ein Klangwort für den typischen Laut der Elster).  Deshalb  hieß es, sie müsse sich 9 Mal an einem Zweig aufhängen, bevor sie auch nur ein einziges Ei hätte legen können. Warum gerade an einem Zweig aufhängen und wie die Elster dies bewerkstelligt,  erschließt sich mir aber nicht wirklich. Die Zahl 9 ist eine Zahl mit Zauberkraft wie alle ungeraden Zahlen und im Aberglauben meistens nicht gerne gesehen.
Doch auch die Elster durfte nicht geschossen werden, denn das sei eine große Sünde. Hier gab es aber leider einige Ausnahmen vom Vogelschutz durch Aberglaube. So durften Elstern im März und zu den Rauh- oder Zwölfnächten geschossen werden, um sie dann entweder an die Stalltüre zu nageln und so das Vieh vor Krankheiten und Hexerei zu schützen, oder sie zu Pulver zu verbrennen, welches dann gegen Fieber helfen sollte. Man kann nur hoffen, dass nicht allzuviele Menschen diesem Brauch nachgegangen sind.
Lange Zeit galt sie als Unglücksvogel bzw. Todesbotin. Wenn sie in der Nähe eines Hauses ihre Laute von sich gab, war das ein Zeichen, dass bald jemand sterben würde. Auch wenn sie an ein Fenster klopfte und je nachdem, wie oft sie dies dann tat, würden eine oder mehrere Personen, die in diesem Haus lebten, bald über die Schwellen gehen müssen.
Für uns Hexen ist die Elster  mit ihrer Klugheit und Weisheit ein zauberkräftiger Vogel. Durch ihr wunderschönes, kontrastreiches Gefieder in schwarz und weiß erinnert sie sicher viele auch an die dualen Prinzipien von Leben und Tod. Und auch weil sie in den langen Wintertagen neben den Raben und Krähen oft eine der wenigen ist, die zu hören und zu sehen ist, liegt ihre Verbindung zur dunklen Göttin oder der Göttin der Schwellen und Übergänge fast auf der Hand.
Im magischen Sinn ist sie  eine Überbringerin von Botschaften, sie warnt uns vor falschen Entscheidungen und Personen. So hilft sie uns bei unseren Reisen durch das Leben.

Abschließen sei noch gesagt: es  gibt  keine verfluchten Tiere, ob nun Vögel oder andere. Der Fluch entsteht immer im Menschen selbst, hervorgerufen durch seine Angst und seinen Glauben bzw. seinen Aberglauben.

Fotos:
1.(c) wayneandersonart.com
2. (c) Brian Froud
3. (c) Urheber unbekannt

Zum Nachlesen über Federn und Magie  : Zauberhaftes durch die Feder und  mehr Federmagie hier auf Hexenworte.

Alle Texte und viele der Bilder sind mein Eigentum! Das Kopieren ohne meine Einwilligung ist untersagt. Bei Interesse an der Verbreitung einer meiner Artikel, bitte eine E-Mail an mich senden, oder mich auf Facebook anschreiben!

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Ein Kommentar zu “Aberglaube und Zauberkraft der Hexentiere (Teil II)

  1. connywr
    9. März 2017

    Zum Thema Gänse: Bei uns in der Gegend gibt es eine Familie mit Namen

    Edle Gans zu Putlitz

    Die haben sogar eine Gans im Wappen. Der Sage nach haben die Gänse, die in der Nacht im Burggraben schliefen, Alarm geschlagen als der Herrensitz überfallen werden sollte. Aus Dankbarkeit gab man sich diesen (recht seltsamen) Namen und die Gans kam ins Wappen.

    Ist zwar keine vorchristliche Geschichte … Aber passt doch irgendwie.

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