hexenworte

Traditionen, Geschichten und Wissen eines alten Weges

Vom Beschreien und Berufen


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Das Beschreien oder auch Berufen ist eine alte Form der Magie.

Auszug aus dem Handbuch  des Aberglaubens: “ Die Furcht vor dem Beschreien, dem Schadenzauber durch das Wort, durch Lob und Bewundern. Die so häufig gebrauchten Wendungen Man darf es nicht beschreien, Beschreie es nicht! und Unberufen! dienen der Abwehr des möglichen Unheils durch den Wortzauber, da jeder sich selbst oder einen andern beschreien kann. Dies geschieht entweder in voller Absicht, durch abfällige Bemerkungen und Zauberformeln, oder durch unvorsichtiges Bewundern, das auf verstecktem Neid beruht.
   Wie Fluch und Segen wird dem Neid im Volksglauben eine große Wirkung zugeschrieben, er kann Krankheit oder gar Tod von Mensch und Vieh herbeiführen. Man spricht deshalb auch von ›Einen zu Tode Loben‹. Zu einem Menschen, dessen Aussehen sich plötzlich verschlechtert hat, sagt man Du siehst aus, wie wenn du beschrien wärest. „

Das Beschreien, das Berufen und der böse Blick (die bekannteste Form des Verzauberns)  sind also als Schadens- oder Bosheitszauber im Gedächtnis der Menschen hängen geblieben. Die tiefe Furcht vor diesen Zauberformen  war   quer durch alle Schichten der  Gesellschaft verbreitet.

Mit Schreien hat das ‚Beschreien‘ nicht viel zu tun und es wäre wohl auch ein wenig merkwürdig (und sehr auffällig), wenn da plötzlich eine Hexe eine andere Person lauthals anschriee. Diese teils auch ‚Berufen‘ (auch bekannt unter Verrufen) genannte Praxis kann  auf vielerlei Weise geschehen, meist ohne dass die zu verhexende(n) Person(en) das vollständig  mitbekommen. Sie wurde sowohl zum Heilen, als auch zum Schaden genutzt. Oft wurde durch leises Murmeln von Versen oder anderen Zaubersprüchen die Person oder falls gewünscht, das Vieh beschrien.

Aber auch durch einfaches Handauflegen konnte das Beschreien wirken, wie z.B.  auf den Kopf, am Arm, der Schulter, oder je nachdem, welche Stelle des Körpers verhext  oder geheilt werden sollte . In alter Zeit  glaubte das Volk gern,  so besonders hartnäckige und langwierige Krankheiten behandeln zu können. Man ging davon aus, dass solche schwierigen Fälle schlichtweg Werke des Teufels seien, oder wenigstens von  bösen Geistern. Und natürlich sollten auch hier wieder die Hexen  ihre Finger im Spiel gehabt haben.

Das *boshafte Beschreien* richtetete besonders viel Unheil an. Diese Form ist in der Durchführung dem o.g. Heilbesprechen sehr ähnlich, nur das hier eben eine Krankheit oder ein Gebrechen angehext werden sollte.

Das bekannteste und wirksamste Zaubermittel bleibt aber das Berühren oder Handauflegen, im guten, wie im schlechten Sinne. So wurde beim Verhexen vorzugsweise zur abnehmender Mondin mit der Hand über das gewünschte Körperteil gestrichen und dann ein Spruch rezitiert, wie z.B. :

( in abgeänderter Form geschrieben)

„Dies tue ich für Haar und Haut.

Für Fleisch und Blut, Adern, Mark und Bein.

Ich deck es zu mit meiner Hand und überstreiche es,

auf dass es lahmt.“

Dieser Zauber musste jeweils 3x hintereinander aufgesagt und an 3 aufeinanderfolgenden Tagen wiederholt werden.

 

Es gab noch weitere Möglichkeiten, jemandem etwas anzuhexen:

Das Verbeten, welches (passenderweise) an den christlichen Aberglauben gebunden war. Dies erfolgte meistens   in einer Kirche in der Nähe des Altares oder besser noch dahinter, wo dann teils Verse und teils Fluchpsalme an drei Sonntagen hintereinander aufgesagt wurden.  Der Fluchpsalm ist ein  ins negative umgedrehter oder sogar rückwärts aufgesagter Psalm, der  unter Einbezug des Namens der zu verhexenden Person ausgesprochen wurde.

Damit sollte ein  Dahinsiechen des ausgewählten armen Menschleins, gern bis zu dessen Tod, gewährleistet werden.

Eine andere Art des Verzaubern  war es,  durch die Verwendung von Kleidungstücken (derer man sich ja erst einmal bemächtigen musste) eine Krankheit anzuhexen. Hierdurch sollte die Person Gliederreißen oder andere gemeine Krankheiten bekommen, so daß sie weder am Tag, noch in der Nacht Ruhe finden würde. Dies wurde solange ausgeführt, bis  das Opfer entweder sein Leben ausgehaucht hatte, oder eben derjenige, der diesen Zauber angewendet hatte meinte, es sei genug gelitten.

Wenn  an keine Kleidung zu kommen war,  wurden die Wege des Opfers nach Fußspuren   abgesucht und diese  gegebenenfalls samt umliegender Erde herausgeschnitten  und danach unter allerlei Beschwörungsformeln begraben, oder gar in den Kaminrauch gehängt, auf dass die Zielperson dann erkranke. Oder schlimmstenfalls auch  still und leise ihr baldiges Ende fände. Doch muss eine Verhexung nicht zwangsläufig immer den Lebensfaden abschneiden, oft reichten auch einfach paar  Missgeschicke, wie zum Beispiel krankes Vieh oder der Ausfall der Ernte.

Haare und Blut waren (und sind es heute noch) sehr beliebte  und auch mächtige Mittel für das Verzaubern. Am Besten waren natürlich die Haare der Person, auf die der Fluch (oder ein anderer Schaden) verhängt werden sollte. Doch auch die Haare von (schwarzen) Katzen oder vom Zauberndem selbst sollten dafür geeignet sein.

Man warf die verhexten Haare entweder der betreffenden Person hinterher, oder auf deren Türschwelle, oder vergrub sie darunter, sodass  derjenige immer wieder hinüber laufen musste. Auch wurden die Haare (oder was man sonst so für geeignet hielt)   in die Erde eines Kreuzweges eingegraben, von dem man sicher war, dass das Opfer ihn täglich kreuzen würde.

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Eine weitere Form des Beschreiens oder Verhexens war das Beschütten.

Wie der Name es schon sagt, wurde ein  Pulvergemisch und auch Flüssigkeiten vor, oder auf die zu verhexende Person (respektive das Vieh ) geschüttet.

Das Pulver wurde (laut Aberglauben) aus der Asche verbrannter Haut von getrockneten Kröten und Schlangen hergestellt, sowie aus Kräutern und anderen Dingen, wie etwa einer geraubten Hostie (also eine in der Kirche geklaute Oblate). Dies wurde dann auf die nichtsahnende Person geschüttet und sollte zu  einem schmerzhaften Ausschlag an deren Händen, Füssen oder Gesicht führen. (Bei den damals herrschenden Hygienestandards war es wohl egal, womit man das Opfer ‚beschüttet‘; Ausschlag und Hautreizungen waren da fast zwangsläufig die Folge)

Aber auch alltägliche Dinge wurden zum Beschütten  genutzt . Das Abwaschwasser eines Hauses konnte zum Verzaubern des Viehs genommen werden. Man kochte flugs eine arme Kröte darin und gab es dann dem zu schädigendem Vieh zu saufen, welches daraufhin krank wurde und/oder keine Milch mehr gab.

Auch Urin von Tieren oder Menschen  wurde bezaubert und der Person, auf die der Zauber wirken sollte, unter  Aufsagen bestimmter Formeln oder Sprüche vor die Türschwelle geschüttet oder darunter vergraben . Am bekanntesten sind hier die Hexenflaschen *oder Witchbottles, die bspw. vor einigen Jahren in England bei Bauarbeiten unter einer Türschwelle gefunden wurden. Sie dienten  vermutlich größtenteils  dem Verhexen, aber sicherlich  genauso zum Schutz vor dem Verhextwerden. Das liegt aber  sicher im Auge des Betrachters .

Natürlich gab es einiges, um dem Beschreien, Berufen und Verhexen, entgegenzuwirken… und  wird  sicher auch heute noch durchgeführt.

Das erste, das mir da in den Sinn kommt, ist das Umdrehen (also auf links drehen) von Kleidungsstücken, wie  Hemd,  Socken oder das Nachthemd. Meine  Großmutter sagte immer: ‚Zieh  das Nachthemd verkehrt herum an, so kann die Hex dir nix !‘ (Als ob ich Hexe je Angst vor einer anderen Hexe  gehabt hätte.)

Am meisten fürchtete  das Landvolk aber das Verhexen oder Beschreien des Viehs und deren Milch  oder gar der neugeborenen Kinder, denn diese vermutete man als am anfälligsten dafür.

Daher entwickelten die Ammen und  auch die Mütter der Kinder oft ihre ganz  eigenen Methoden. Es gibt Überlieferungen alter Brauchtümer, mit deren Hilfe man die Verhexung erkennen und anschließend beseitigen konnte.

Um zu erkennen ob ein Kind beschrieen wurde, leckte die Amme bzw. Mutter  an der Stirn des Kindes. Schmeckte es salzig (was wohl leider öfters der Fall war), so glaubte man, das arme Ding war verhext. Um dem entgegenzuwirken wurde  der Kehricht aus allen 4 Ecken der Stube zusammengekehrt , dann  etwas Holz von  den 4 Ecken eines Stubentisches abgeschabt und  alles zusammen mit 9erlei Holz ** verräuchert.

Ein Kind, das zur Taufe gebracht wurde, erachtete man als besonders anfällig für Verhexungen. Deshalb wurde ihm auch hier wieder 9erlei Kräuter  (wie Baldrian, Knoblauch Teufelsdreck und Kreuzkümmel usw.) in sein Taufkleidchen gesteckt, auch etwas Brot und Salz (denn das mögen wir Hexen angeblich nicht) und etwas  aus Eisen, sowie etwas Geld . Dies ließ man stillschweigend in der Kirche mitsegnen… und so würde das Kind dann nie verhext werden können.

Warum Hexen Brot, Salz, Kräuter oder Geld verabscheuen sollten (gesegnet oder nicht) bleibt rätselhaft.

Auch wer Knoblauch mit sich herumtrug, glaubte sich vor dem Beschreien oder auch dem bösen Blick geschützt. Der Knoblauch ist im Allgemeinen ohnehin ein Zauber-Allroundgewächs, denn nicht nur das Volk nutzte es zum Schutze, auch Hexen und andere magisch wirkende Menschen nutzten es um Schadenszauber abzuhalten. Ungemein gesund ist er ja auch noch nebenbei.

Eine andere Methode um zu sehen ob jemand beschrien wurde war es, Frauenflachs oder Rufkraut ( hier ist das Berufkraut oder das  Beschreikraut gemeint***) in Wasser zu kochen und den vermeintlich Beschrieenen bzw. den/die Kranke/n darin zu baden. Das Wasser hierzu musste natürlich vor Sonnenaufgang stillschweigend geholt werden und es durfte nicht gegen den Strom aus einem Fluss oder Bach geschöpft werden.
Anschließend nun  wurde das Wasser hinter das Bett gestellt. Sollte der Badesud dann zusammenlaufen, war derjenige beschrien worden.

Und wenn  es nun das Vieh erwischt hatte, gab der kluge Bauer diesem unter anderem Knoblauch, Pappelkraut, Wegebreit (vermutlich Breitwegerich ), Anis, Fenchel, Sadebaum usw., mit etwas Holzasche gemischt  zu fressen. Falls das nicht half , ließ er das betroffene Vieh  in einen Topf urinieren (ohne auch nur einen Tropfen zu verlieren!) und rührte die Suppe mit einem alten Besen ordentlich um. Dann  wurde der Topf samt Inhalt und dem Besen ins Feuer gegossen, bzw. geworfen. Dies sollte bewirken, dass die Hexe die die Beschreiung durchgeführt hatte, die Krankheit zurückbekommt. Wirkte dies alles nicht, so wurde entweder die Dorfälteste oder ein Hexenmeister gerufen. Durch Aufmalen von Drudenfüssen*** und anderen  magischen Zeichen an Türschwellen und den 4 Stallwänden konnte nun die Verhexung aufgespürt werden. Und wenn  das Vieh dann immernoch einen verhexten Eindruck machte, so  wurde  der Priester (oder Pfarrer) hinzugerufen, der dann vorgab, all das  Übel vom Hof beten zu können.

Heutzuage sitzt der Aberglaube ja nicht mehr ganz so tief und wenn das Vieh mal keine Milch geben will oder sich sonst auffällig verhält, so rufen wir eher nach dem Doktor als nach dem Pfaffen.

Dennoch: die Weisheiten über die Kräuter, ob  zum Heilen oder gegen Schadenszauber – und all die kleinen  magischen Brauchtümer zur Stärkung der  positiven und  Abwehr der negativen Energien (wie  dem neidischen Nachbarn oder den geschwätzigen Kollegen), sollten nicht nur nicht vergessen, sondern ruhig ab und zu auch mal ausprobiert werden. Und manchmal wirkt dann alles zusammen  sogar erstaunlich gut.

Denn die  Magie lebt mit uns und in uns, das sollten wir gerade in der heutigen Zeit nicht  vergessen.

 

 

 

 

Quellen:

Auszug aus dem Handbuch des deutschen Aberglaubens.

 

Link über Witchbottles;

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/magie-abwehr-archaeologen-finden-erstmals-intakte-hexenflasche-a-629368.html

Link über 9erlei Hölzer;

** http://www.celticgarden.de/2014/02/der-aberglaube-von-den-neunerlei-hoelzern/

Beruf-und Beschreikräuter

http://heilkraeuter.de/lexikon/einjaehriges-berufkraut.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Scharfes_Berufkraut

und noch mehr Beschreikräuter:

http://www.celticgarden.de/tag/beschreikraut/

*** Link über die Drude und  Drudenfuss:

http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/354814

http://de.academic.ru/dic.nsf/konversations_lexikon/18328/Drudenfu%C3%9F

Bilder : Pinterest (Urheber unbekannt)

 

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