hexenworte

Traditionen, Geschichten und Wissen eines alten Weges

Hagazussenzauber- Magie zwischen den Hecken

(c) fotocommunity

Für mich als Hexe gibt es Tage, die von Anfang an einfach magisch sind. Wie  das Morgenrot, das sich am noch dunklen Himmel langsam ausbreitet. Das Licht, welches langsam den Morgen erleuchtet und welches die Magie all dessen erhellt, was auch immer sie in sich trägt.

An solchen Tagen gehe ich gerne durch die Natur, atme den frischen Duft ein und spüre die Nebel, wie sie mein Gesicht streifen. Sehe den Schatten zu, wie sie in den Nebelschwaden verschwinden. Und lausche der vermeintlichen Stille.

Ich wandere gerne jenseits der Wege oder  Pfade und gehe lieber vorsichtig querfeldein, achte aber immer darauf, dass ich kein Tier störe oder besondere Pflanze zertrete. Ganz allein auf weiter Flur, nur die Geschöpfe und ich, das gibt Kraft und oft auch die Bestärkung, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Manchmal herrscht so eine Stille, dass ich meinen eigenen Herzschlag deutlich höre und fürchte fast, ich könnte damit meine Umgebung stören. Und dann frage ich mich, darf ich hier überhaupt sein? Sind die Geister und Ahnen einverstanden? Und wenn ich diese Frage in mir stelle, spüre ich genau, ob dem so ist oder eher nicht. Meistens bin ich willkommen.  Dann fühle ich mich so richtig frei, ganz tief verbunden mit dem Ort und wohlig eingebettet in die Natur. Die Zeit spielt dann keine Rolle mehr, alles ist weit von mir abgerückt, der Alltag und die ganzen Pflichten sind in weiter Ferne.

Wenn ich dann einen Platz an den Hecken finde, an dem ich mich  gut aufgehoben fühle, lasse ich mich auch dort nieder . Die Hecken  auf meinen Lieblingswiesen bestehen überwiegend  aus Weißdorn (oder auch Kreuzdorn), Schlehdorn, Brombeere, Hagebuttenbüschen, kleinen Eschenbäumchen, Linden, Pappeln und Holunderbüschen. Einfach  wundervoll  und sehr magisch.

Ich sitze einfach nur da und lausche dem Gesang der Vögel  oder beobachte die Rehe. Nicht immer webe ich Magie, aber alles ist Magie um mich herum. Manchmal rede ich mit der Göttin, manchmal mit den Geistern hinter den Hecken.

Aber was bedeutet das „an den Hecken sitzen“ noch? Seit   unsere Urahnen und vor allem Urahninnen in ersten Siedlungen oder eher dörflichen Verbänden lebten, galten die Hecken als Schutz vor der unbekannten und fremden Welt außerhalb des Dorfes. Hinter den Hecken fing der dichte und vielleicht unheimliche Wald an, in dem im Aberglauben der Menschen Dämonen , Unholde,  Kobolde und andere furchteinflößende Wesen, sowie wilde Tiere hausten. Natürlich  schützen diese zum Teil sehr dicht gewachsenen, dornigen Hecken vor Überfällen, ob durch Wölfe oder andere Raubtiere, die auf das Vieh aus waren, aber auch vor kriegerischen Angriffen anderer Menschen. Keiner der Dorfbewohner wagte sich wohl  wirklich allein den Wald jenseits der Hecken. Nur in einer Gruppe , wie die Jäger z.b.. Aber kaum allein und schon gar nicht in der Dämmerung, oder gar  in der Nacht.

Es gab aber noch die Heilerinnen, die weisen Frauen (und vielleicht  auch Männer), die in dieser Gemeinschaft das Wissen über die Kräuter und Pflanzen erlangt hatten, die wussten was die Zukunft bringen und ob  eine Jagd erfolgreich sein würde, oder ob der Winter besonders hart ausfallen würde. Sie wussten auch, zu welcher Zeit und an welchem Ort man heilkräftige und besonders starke Zauberkräuter finden würde.

Diese Menschen gingen wahrscheinlich zu bestimmten Zeiten, etwa bei Vollmond oder in der Dämmerung, in diesen dunklen Wald. Sie kannten sich sicherlich gut dort aus . Sie waren es ja auch, die sich mit den Geistern und Ahnen verbanden und sie um Rat fragten. Die Hecken standen auch besonders für die Grenzen und  Verbindungen zu dieser anderen Welt. Sie sind die Schwellen und Übergänge in die Anderswelt gewesen. Jene weisen Frauen, Hagazussa die Zaunreiterin oder Grenzgängerin genannt , gingen zu den Hecken und holten sich den Zuspruch oder die Ablehnung ihrer Ahnen, ihrer Geister oder Götter und konnten so der Dorfgemeinschaft dann mit ihrem Rat helfen. Also ist das „an den Hecken sitzen “ mehr ein „zwischen den Welten sitzen“ und von einer in die andere Welt schauen und  sich mit dieser anderen Welt verbinden. Es ähnelt den Kreuzwegen, denn auch das sind Schwellenorte. Ich persönlich wähle oft Kreuzwege, um  Gaben abzulegen und besondere Magie auf den Weg zu schicken,  sowie, wenn ich der Göttin Hekate huldigen möchte.

Für mich sind nicht nur die Schwellenzeiten, wie  Morgen- oder Abenddämmerung wichtig, sondern auch  die Bedeutung der Jahreszeiten. Ich liebe es ganz besonders im Frühling und natürlich auch im Sommer, ganz früh am Morgen zu den Hecken zugehen, wenn die Sonne noch tief am Horizont im Dunst der Felder liegt. Es duftet dann nach frischem Grün, nach Kräutern und Blumen. Ach das liebe ich so, zu sehen, wie alles aus dem Schlaf erwacht und  sich mit Leben erfüllt.ebd9dfa14114a0b9a438d2505cb3ef39

Viele meinen  ja, das  Hexen die Dunkelheit und daher den Herbst und den Winter bevorzugen. Aber wie alle anderen Menschen, haben auch Hexen verschiedene Vorlieben und viele halten sich eher selten an herrschende Klischees.

Ich mag die Dunkelheit auch sehr, ich gehe  gerne am späten Abend, wenn die Nachbarschaft bereits in den Betten liegt, durch die Straßen und über die Felder. Aber mag ich es am liebsten in warmen Sommernächten. Der Herbst und Winter sind nicht gerade meine Zeit, wie man unschwer lesen kann. Es stimmt mich jedes mal etwas traurig, wenn ich all  meine Kräuter und anderen Pflanzen in meinem Garten verabschieden und sie zur alten Göttin schicken muss, damit sie in ihrem Schoss unter der Erde den wohlverdienten Winterschlaf halten.

Auch an meine Hecken , die ich im Sommer so gerne besuche, gehe ich dann viel seltener. Es fühlt sich für mich leer an, als ob die Schwellen und Übergänge verschlossen sind. Aber eigentlich sind eben  gerade im Oktober/November diese Übergänge offen oder sehr dünn. Und gerade in dieser dunklen und kalten Zeit sind die Ahnen und Geister viel in unserer Welt und um uns herum spürbar. Und  deshalb brauche ich dann gar nicht mehr soweit zu gehen, ich bleibe  in meinem Garten, der von  Buchenhecken  umgeben ist und eine Seite meines Garten liegt neben einem kleinem Friedhof , hinter dem wiederum ein kleines Waldstück liegt. An bestimmten Zeiten und gerade in der kalten Zeit, tausche ich mich dann hier mit den Wesen aus der Anderswelt aus und kann mich durchaus  auch direkt in meinem Garten mit den Geistern und Ahnen verbinden. All dies spielt für mich eine wichtige Rolle, um Hecken-Magie zu weben, ob es die Buchenhecken in meinem Garten sind, oder das Wäldchen dahinter. Oder auch die Hecken  auf meinen o.g. Lieblingswiesen. All die Büsche und Bäume stehen von jeher für Magie, die Kraft und die Macht der Göttin und der Geister.

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Wurzelgeist

Wie verbindet man sich mit den Geistern und Ahnen hinter den Hecken?

Jeder der mit Magie arbeitet weiß, dass man dafür viel Konzentration braucht und Ruhe natürlich. Aber auch sehr viel Vorstellungskraft. Wer es einmal probieren möchte, sollte folgendes beachten:

Zuallererst einmal muss der Ort stimmen. Jede Hexe hat ihren speziellen Lieblingsort oder -Orte, im Wald oder auf einem Feld, am Waldrand oder sie weiß vielleicht ein schönes Grundstück, welches abgelegen liegt. Je öfter man in der freien Natur umherwandert, um so besser bekommt man ein Gespür für den richtigen Platz, der sich einfach gut anfühlt, wenn man ihn betritt und den man meist  ganz intuitiv findet und aufsucht.

Auch sollte man immer etwas an kleinen Gaben (etwa Kekse, oder einheimisches Obst und etwas Wasser etc.) mitnehmen, so als würde man zu Besuch zu jemandem gehen. Wer zu den Hecken geht, um dort die Ahnen und Geister um Rat zu fragen, sollte auch etwas Räucherwerk bei sich haben,und  vielleicht eine kleine Rassel oder manche haben auch Trommeln dabei, oder nehmen einfach nur die eigene Stimme so wie ich.  Ahnen und Geister sage ich, weil ich  die uralten Wesen in der Anderswelt meine, die sich dort schon seit Urzeiten aufhalten. Aber auch die eigenen Ahnen, Verstorbene, die vor lange Zeit über die Schwellen getreten sind. Es kann auch die eigene Urgroßmutter oder Großmutter sein, auf die man treffen könnte. Wichtig ist, so finde ich, dass man dann ganz genau im Kopf hat, was man wissen will und vielleicht auch, an wen man sich wenden möchte. Manchmal rufe ich einfach die Geister der Gegend, also in diesen Falle Wesen, die Ortsgebunden sind. Wie uralte Baumgeister, oder Erdgeister, aber auch die Geister der Lüfte, oder wie ich sie nenne, Kinder der Winde oder Sturmtöchter.

Jede Hexe muss für sich selber heraus finden, mit wem sie am Besten in Kontakt treten kann, das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Man braucht schon ein wenig Übung und sehr viel Geduld. Es ist ja nicht so, als würden die Wesen nur auf uns warten..

Wenn man also nun seinen Platz  an einer schönen Hecke gefunden hat, sollte man seine Utensilien  ausbreiten. Zum Räuchern nehme ich gerne ein Räucherstick u.a. aus Beifuss oder Thuja, aber auch Eibennadeln, oder etwas Wacholder, denn diese Pflanzen helfen uns, mit der Anderswelt in Verbindung zu treten und es  ist manchmal einfacher mit einem Stick zu räuchern, als mit einer Schale und Kohle, gerade im Freien ( aber da macht natürlich jeder seine eigenen Erfahrungen) .

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Schutzamulett aus einer alten Baumwurzel

Dann die Gaben nicht vergessen , die vor einem oder vielleicht an einem besonders schönen Platz an den Hecken hingelegt  und auch dort gelassen werden. Besonders schön sind bunte Bänder (aber nicht aus Kunststoff o.ä.) die man an die Äste der Büsche und Bäume anknüpfen kann. Es kann bei jedem Band ein Wunsch oder Zauber ausgesprochen werden. Hierbei können die jeweiligen Farben der Bänder für einen bestimmten Wunsch oder Zauber auch eine Rolle spielen.

Also bspw. Rosa/Rot  für Liebeswünsche, Schwarz für Schutz und Bannung von Negativem, Grün für Freundschaft und Finanzielles, Weiß und Blau  für Heilung etc..Auch können diese Bänder zusätzlich  eine Gabe an  die  Göttin sein ( in ihrer Dreifachen Form), wie blaue oder  schwarze, rote und weiße Bänder.

Auch kleine Beutelchen mit Steinen, wie etwa Heilsteinen(wenn es einem nicht zu kostbar ist, sie dort aufzuhängen), oder Steine die man auf seinem Weg findet (so mach ich das gerne), und  auch  Federn die gefunden werden, können an Äste der Hecken gebunden werden. Oder Apfelscheiben auf Band gefädelt können mit an die Zweige der Heckenbüsche gehängt werden, als  Geschenk  für die Wesen auf beiden Seiten der Hecken. Denn auch diese Seite der Welt besitzt Naturgeister, sie ist eigentlich voll davon, nur wir können sie oft nicht mehr wahrnehmen, weil viele unter uns nicht mehr an sie glauben.

Nun kann man sich erden. Erden ist  oder kann  eine Art der Meditation zur Entspannung sein, die ich oft durchführe, wenn ich magisch arbeiten will oder es bereits getan habe. Ganz wichtig hierbei ist auch  immer die Atemtechnik, das langsame und tiefe ein- und ausatmen. Doch  im Grunde soll man sich nur im Geiste mit den Wesen des Ortes oder Hecke verbinden.

Aber natürlich kann man sich auch anders den Zutritt zu den Wesen hinter den Hecken verschaffen, indem man sich z.B. in Trance tanzt . Das muss jeder für sich selbst herausfinden.  Doch  erst wenn man seinen Geist öffnet, auch gerade  für das, was um einen herum passiert, z.B für den  Wind der einen manchmal viele wunderschöne Düfte hüllt und Geräusche, wie den Gesang der Vögel und das leise Rascheln der Blätter mit sich trägt, ist man vielleicht bereit für die Zeichen und Gaben. Und alles, was man dann vor seinem inneren Auge sieht, oder was man in seinem Herzen empfängt, kann  von den Geistern oder Ahnen herrühren.

Zum Ende der Sitzung muss  man seinen eigenen Geist  langsam in diese Welt  zurückkommen lassen. Nicht vergessen, sich von den Wesen, mit denen man in Kontakt getreten ist zu verabschieden und zu bedanken. Ruhig noch einige Zeit sitzen oder liegen bleiben, denn sonst kann es passieren, dass einem ziemlich schwindelig wird. Die Eindrücke, die man gewonnen hat, einen Augenblick lang auf sich wirken lassen und die Umgebung genießen.

Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp: selbstverständlich kann man auch etwas Magie von den Hecken mit nach Hause nehmen. Zum Beispiel in Form von Zweigen einer bestimmten Busch/ Baumart, wie Weißdorn oder Schlehdorn, die dann zu einem Kranz gebunden werden. Als magischer Schutz für die eigene Haustür, vor negativen Energien oder bösen Geistern (oder Leuten ). Oder Eschenzweige für einen magischen Stab für Rituale. Da sollte aber  jede Hexe (oder natürlich auch Hexer, aber das muss ich ja nicht extra betonen) ihrer eigenen Intuition folgen.

Und letztendlich für die Botschaften oder Gaben,  die einem aus der Welt jenseits der Hecken geschenkt wurden, dankbar sein.

Quellen:

Foto 1; http://fc-foto.de/14391119 / (c) by fotocommunity.de

Foto2: pinterest (Urheber unbekannt)

Foto 3-5: St. Stoige /by  hexenworte

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