hexenworte

Traditionen, Geschichten und Wissen eines alten Weges

Die alte Göttin


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Nun ist der Höhepunkt des Sommers längst  erreicht und man spürt wie   alles langsam verblüht und vergeht.

Die Göttin spinnt  ihre  Fäden und webt sie über das Land.

Alles wird überzogen von einem silbrigschimmernden Netz, das wunderschön in der goldenen Morgensonne schimmert.

Es ist eine Zeit des Abschiedes, eine Zeit des leisen Vergehens, eine stille Zeit des Sterbens. Doch ist es nie von Dauer, alles wird bald zurückkehren, so wie seit Urzeiten.

Die Göttin , sie hat ihre Frische, ihre  Jungenhaftigkeit längst abgelegt und auch ihr Mutterschaftsgewand abgestreift. Nun trägt sie das dunkle Gewand der weisen Alten, der Seelenfängerin, der Knochensammlerin.

Sie hat uns wieder reichlich beschenkt, mit  unsagbar großer  Fülle. Sie hat uns Leben eingehaucht, Freude und Fruchtbarkeit, sie gab uns  Tanz, Musik , Liebe und die Magie.

Doch nun ist ihr Antlitz faltig und die Haare schimmern silbrigweiß. Ihre Hände knochig und der Gang gebeugt. Und dennoch ist ihr Blick  sanft , voller Weisheit und ein Lächeln umspielt ihre Lippen.

Sie wandelt leise  und müde über die Erde, ihre Kinder  betrachtend.  Sie bettet viele ihrer Geschöpfe in ihren dunklen Schoss und wiegt sie in den langen und tiefen Schlaf, wohl wissend , dass sie sie bald wieder zu neuem Leben erwecken wird.

Die Wesen, die die Göttin  nicht mit sich nimmt, werden liebevoll  zugedeckt mit Moosen, Laub , mit Eis und Schnee. Sie singt eine kleine Melodie die durch die kahlen Äste der Bäume zu hören ist. Und hier und da taucht  ein Schwarm Gänse am Himmel auf. Sie schnattern und rufen  laut das nun die kalte  , dunkle Zeit kommt. Das die dunkle Göttin bald  mit ihrem wilden Gefolge über den Wolkenverhangenen Himmel toben wird.

Die Menschenkinder bereiten  sich auf die kalte Zeit vor.

Das letzte der 3 Erntedankfeste steht bald bevor. Und so  sammeln, ernten  die Menschen für die lange karge Zeit, aber auch  um der  Göttin zu danken, für einen Sommer voller Fülle, Überfluss und Freude.

Dann  wird es bald still auf den Höfen und den Dörfern. Die Laternen auf den Wegen  leuchten schon am Nachtmittag auf und in den Fenstern der Häuser leuchten die Kerzen und der Feuerschein der Kamine . Es duftet nach Eintöpfen und Kuchen. Und auf den Feldern leuchten  die vielen  Kürbisse  im wunderschönen orange  .

Die Zugvögel sind längst abgereist und diejenigen, die bleiben, kuscheln sich in ihre Höhlen und Nester. Kein fröhliches Gezwitscher begleitet länger  den sterbenden  Lichtgott, sondern nun erschallt das kräftige und rauhe krächzen der Raben und Krähen. Sie sind die Wächter und Beobachter der alten Göttin. Sie hüten die schlafenden Geschöpfe und begleiten die Seelen und Ahnen über die Schwellen.

Die Göttin sieht all diese Veränderungen mit Wohlwollen, aber auch mit Wehmut. Wissend das ihre Kinder versorgt sind und ein Teil von ihnen friedlich schläft, aber  sie auch  alles für eine lange Zeit nicht sehen wird.

Auch ihre Zeit des Abschiedes ist  nah , sie weiß ,dass sie von dieser Welt gehen muss, um sich zu transformieren, um neue Kraft zu schöpfen, neu geboren zu werden und um selbst neu zu gebären. So wie sie es schon seit Anbeginn aller Zeiten getan hat.

Möge sie gut ruhen und dabei  ihre Fäden spinnen. Auf das sie bald als junge fröhliche Göttin zu uns zurückkehrt.

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Auch für uns Hexen bricht bald eine ruhige und besinnliche Zeit an, fast alles ist getan. Die Kräuter geerntet und getrocknet,  die Salben und Marmeladen gekocht, die Früchte/Gemüse eingeweckt. Das Räucherwerkt ist gemischt . Und der Altar ist gereinigt und erstrahlt im Kerzenschein.

Nun kann es  bald kommen, das wichtigste Fest neben Beltain und das, was diesem fröhlichen und fruchtbaren Fest im Jahreskreis gegenübersteht. Samhain….!

**************

Text St.Stoige

Fotos: Pinterest

Kopieren und teilen nur mit Blognamen/ meinem Namen, erlaubt.

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4 Kommentare zu “Die alte Göttin

  1. veledalantia
    18. August 2014

    Wunderbare Worte die du gefunden hast Schwester. Ja..nun dürfen auch wir im Stillen spinnen, weben…Visionen und Wissen von der Crone empfangen.Danke

  2. Nicole Markgraf
    19. August 2014

    das hast du sehr schön geschrieben 🙂

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