hexenworte

Traditionen, Geschichten und Wissen eines alten Weges

Eine Geschichte über die Lichtfrau


Als zu einer Zeit auf der Erde alle Kinder im tiefen Schlaf lagen und es auf ihr trostlos und leer erschien, da gebar tief im dunklen Erdenschoss die alte  Muttergöttin  ein  kleines, wunderschönes Mädchen.

Es von war so strahlenden Antlitz, das es die ganze dunkle Erde erhellte,  in die sie hinein geboren wurde.

Die Erdgeister und Wurzelwächter versammelten sich um sie herum und begrüssten das kleine Mädchen, sie tanzten und sangen frohe Lieder und brachten ihr viele schöne Geschenke die sie alle selber gefertigt hatten.
Und auch seine Mutter war mit tiefer Freude und Dankbarkeit erfüllt und liebkoste ihr kleines  Mädchen, das so friedlich in ihren Armen schlief.

Während oben auf der Erde tiefster eisiger Winter herrschte und die wilden Heerscharen mit der Wintergöttin Holle mit lautem Gebrüll durch den Himmel tobten, wuchs das kleine Mädchen langsam heran. Es wurde von seiner  Mutter umsorgt und behütet. Sie spielten und sangen, sie tanzten und lachten den ganzen Tag . Und wenn es  Schlafenszeit war , dann saß sie an ihrem Bettchen, das die Zwerge ihr aus Wurzeln geflochten hatten und erzählte ihr von der schönen Welt, die weit oben lag , von Mutter Natur, von den Tieren und den magischen Wesen die dort lebten. Sie erzählte ihr von Elfen und  den Wassernymphen und den uralten  Baumgeistern. Das  kleine Mädchen konnte nie genug bekommen von all den Geschichten über die Welt , die so unendlich weit weg  für sie schien. Nachts träumte es davon, wie sie eines Tages hinauf klettern würde, um diese wundervolle Welt zu sehen und sie zu erkunden.

Und die Zeit verrannte wie im Fluge……

Aus dem kleinen Mädchen wurde eine junge Frau, mit strahlenden goldblonden Haaren und grünen Augen, die leuchteten wie Jade. Sie wurde nun von den alten knorrigen Erdgeistern und den weisen Zaubermeisterin, die in tief verborgenen, großen Höhlen wohnten, unterrichtet. Und sie war wissbegierig, alles wollte sie lernen und erkunden, sie  wanderte nach ihrem Unterricht den ganzen Tag durch das große unterirdische Reich, erkletterte die steilsten Wände und schwamm in den tiefen kristallklaren Seen. Angst kannte sie nicht.

Und sie  wurde immer größer und immer schöner.

Dann eines Tages, nachdem die Mondin schon viele, viele  Male am Himmel gewandert war, war die Zeit gekommen. Ihre  Mutter wusste, dass nun der Abschied nahte. Doch sie war nicht traurig , denn sie wusste auch, dass sie ihre Tochter bald wiedersehen würde. Also holte sie sie zu sich und sprach:

Meine geliebte Tochter, die Zeit ist nun gekommen ,auf das wir uns trennen müssen. Doch trage keine Trauer in deinem Herzen, sondern freue dich ,denn wir werden uns bald wieder sehen. Gehe du nun deinen Weg, der dir von Anbeginn vorherbestimmt war und sei stark ,mutig und weise.

Damit entließ sie sie und schicke die junge Frau durch die Höhlen und Gänge auf die Erde. Und als sie die Welt sah, wie sie so schlummernd da lag, war sie vor staunen ganz benommen. Noch schien es kaum Leben auf ihr zu geben, auch der große Himmel über ihr lag im Dämmerlicht und war ohne Farbe. Doch dann erschien die Mondgöttin  und begrüsste die junge Frau . Sie führte sie zu einer wunderschönen Quelle, wo all die Wesen, wie Elfen, Feen, Wassernymphen und die kleinen Waldnymphen auf sie warteten. Alle waren gekommen, von denen ihr die  Mutter nachts am  Kinderbettchen erzählt hatte. Welch ein Anblick das war, das Wasser der Quelle glitzerte im Licht der Mondin. Die Wesen, die sich um die Quelle versammelt hatten, leuchteten in den schönsten Farben, es war von solch einer Pracht, wie es sich die junge Frau in ihren kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können.

Alle begrüssten sie  mit einem großen Fest, es wurde gesungen und getanzt . Die junge Frau war wie berauscht von diesem Fest und merkte  nicht wie die Zeit dahin schritt. Doch dann fühlte sie, dass es an der Zeit war, weiter zu ziehen, sie verabschiedete sich von all den Wesen an der Quelle und zog schweren Herzens von dannen.

Während sie nun durch die Welt wanderte, sah und spürte sie , wie  sich diese Welt immer mehr um sie  herum veränderte, sie wurde heller, bunter und grüner. Viele  Tiere, von denen ihr die  Mutter erzählt hatte, kamen nun ganz verschlafen aus ihren Höhlen und Nestern. Manche winkten ihr fröhlich zu, wenn sie an ihnen vorbei wanderte, manche wurde ganz emsig und putzen ihr Zuhause.

Und dann kam sie schließlich, nach Tagen und Wochen der Wanderung, an einen großen Berg der  so groß und stattlich anzusehen war, das die  junge Frau sich nach  hinten beugen musste,  um die Spitze sehen zu können. Denn  diese reichte bis weit, weit  hoch in den Himmel . Und die junge Frau wusste, das sie diesen Berg unbedingt erklimmen sollte.

Und sie machte sich sogleich  ans Werk und kletterte geradezu leichtfüßig den großen und mächtigen Berg hinauf.

Nach langer Zeit hatte sie es endlich geschafft, sie stand hoch droben auf der Spitze und schaute sich um. Ein herrlicher Ausblick, sie  konnte die ganze Welt überblicken und sah, dass  sie auch  ganz dicht bei der Mondin war,  die dort ebenfalls ihren Sitz hatte. Da wusste sie,  dass dies wohl ihr Platz sein musste. Die Mondin, die sie  schon erwartet hatte, sagte mit ganz sanfter Stimme,“ Du bist nun angekommen, dort, wo es Dir von Anbeginn der Zeit bestimmt ist. „

Dort oben auf ihrem vorbestimmten  Platz, unweit der Mondin, saß sie nun und schaute auf die Welt die ihr zu Füssen lag. Sie  sah die Geschöpfe von ihrer  Mutter Erde, wie sie umher sprangen, emsig ernteten und sich liebend vereinigten. Alles blühte in den allerschönsten Farben und grüne Wiesen und Felder schimmerten in ihrem hellen  Licht. Die junge Lichtfrau  war glücklich. Doch sie fühlte, dass etwas noch fehlte, ihr Herz wurde ihr schwer dort oben . Sie  fühlte sich einsam  und  sehnte sich nach jemanden mit dem sie so wie die Geschöpfe auf der Erde lachen , singen und tanzen konnte. Sie wünschte sich sehnlichst  eine Schwester.

Also stieg sie herab von ihrem hohen Berg und ging  in die grünen Wälder, die groß und weit vor ihr lagen. Dichte sattgrüne Laubwälder umgaben sie und es roch herrlich nach frischem Gras und Laub.  Da sie  aber nicht als  die Lichtfrau erkannt werden wollte von all den Wesen auf Mutter Erde, verwandelte  sie sich in eine große weiße prächtige Hirschkuh. Und so durchstreifte sie Tage und Nächte die großen Wälder.

Eines Tages kam sie an eine besonders schöne Lichtung. Die Bäume standen im Halbkreis, als würden sie diesen Flecken Erde beschützen wollen. Dort waren einige Frauen und webten aus Blumen  bunte Kränze und andere magischen Dinge. Dabei sangen sie  Zauberreime und tanzen so fröhlich, dass der Lichtfrau das Herz vor Aufregung  bis zum Halse schlug. Sie stand zwischen den Bäumen und lauschte dem Gesang. Dann bemerkten auch die  Frauen, dass sie beobachtet wurden und sahen aus den Augenwinkeln wer  ihnen  denn da  zuschauen würde. Sie lächelten leise und wussten sogleich, dass es die junge Lichtfau war die  gekommen ist und auf die sie schon alle gewartet hatten. Denn diese Frauen waren allesamt weise Frauen oder auch Hexen genannt.

Sie  drehten  sich zur Lichtfrau um , die sich immer noch in Hirschgestalt befand und begrüssten sie mit einem fröhlichem Lachen. Sie winkten ihr zu und riefen, sie möge sich doch einmal zeigen.

Mit klopfenden Herzen kam diese nun aus dem Versteck heraus und verwandelte sich in die strahlende  junge Frau, der sie eigentlich war. Die weisen Frauen begrüßten die Lichtfrau mit einer herzlichen Umarmung, so als würden sie eine alte sehr vertraute Schwester begrüßen.

Sie waren sich von Anfang an so vertraut, als würden sie sich schon viele, viele Zeiten lang kennen. Und so war es auch. Sie waren nicht nur die weisen Frauen, die Hexen und ihre junge Licht-Göttin. Sie waren  auch  alle  Töchter der Mutter Erde , die sie gebar und liebevoll großgezogen hatte. Sie umsorgt und behütet hatte, bis sie groß und weise genug waren, ihren vorherbestimmten Weg zu gehen.
Da sah nun die junge Lichtfrau das sie gar nicht einsam war, sondern das sie viele viele Schwestern hatte, die wie sie den Kreislauf des Lebens und der großen Mutter folgten. Jene Schwestern die den Jahreskreislauf mit ihrer Magie und dem Zauber erfüllten, um alle das Schöne in der Welt zu erhellen und zu erhalten.
Doch die Zeit verging so schnell und die Lichtfrau , sie war im Laufe des Sommers zu einer starken und feurigen Sonnenfrau geworden, spürte ihre Zeit war gekommen sich nun langsam zurück zuziehen.
Denn ihr ging die Kraft aus und sie wurde müde. Sie hörte das ferne rufen ihrer alten Mutter, dass sie zurück in ihren Erdenschoss kommen möge um dort zu verweilen, um dann neu geboren zu werden. Und so verabschiedete sie  sich von all ihren lieb gewonnen Schwestern mit dem Versprechen sich im nächsten Frühjahr an gleicher Stelle wieder zu sehen.

Dann machte sich die Sonnenfrau auf ihren Weg zurück in den Erdenschoss ihre Mutter, um  nach einer langen dunklen Zeit der Ruhe als junge strahlende Lichtfrau wieder zurückzukehren.

Dies geschieht jeden Jahreskreislauf aufs Neue,  sie wird geboren aus dem dunklen Schoss der Muttergöttin, um  dann in die Welt hinaus zu gehen und Fruchtbarkeit und neues Leben zu spenden.

 

(c)Hexenworte

Foto: (c) Hexenworte

Alle Texte und viele der Bilder sind mein Eigentum! Das Kopieren ist untersagt. Bei Interesse an der Verbreitung einer meiner Artikel, bitte eine E-Mail an mich senden, oder mich auf Facebook anschreiben!

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