hexenworte

Traditionen, Geschichten und Wissen eines alten Weges

Die Zeit des Mittsommers

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Mittsommer /Sonnenwende

Nun die Sonne soll vollenden
Ihre längste, schönste Bahn,
Wie sie zögert, sich zu wenden
Nach dem stillen Ozean!
Ihrer Göttin Jugendneige
Fühlt die ahnende Natur,
Und mir dünkt, bedeutsam schweige
Rings die abendliche Flur.

Nur die Wachtel, die sonst immer
Frühe schmälend weckt den Tag,
Schlägt dem überwachten Schimmer
Jetzt noch einen Weckeschlag;
Und die Lerche steigt im Singen
Hochauf aus dem duft’gen Tal,
Einen Blick noch zu erschwingen
In den schon versunknen Strahl.

Ludwig Uhland (1787-1862), „Sonnenwende”

Wie schnell doch so ein halbes  Hexenjahr vergeht!

Und ehe wir uns versehen, ist die Zeit der Sommersonnenwende auch schon vorüber.

Doch alles in der Natur ist nun so wunderschön grün und  üppig bewachsen. Bunte Blüten vom roten Klatschmohn, über die blaue Kornblume, bis hin zur weißen Kamille sind auf den Feldern und Wiesen wie kleine bunte Farbtupfer verteilt. Die Luft ist erfüllt vom Duft der Rosen, der Kräuter,  wie Lavendel und Mädesüß,  sowie der Lindenblüten und vielen anderen. Alles erscheint einem so leicht, so betörend und ohne Sorgen. Fülle und Fruchtbarkeit, wohin man auch blickt.

Morgens in der Dämmerung, kurz bevor die Sonnenfrau ihren Strahlenkranz am Himmel erscheinen lässt,  wird man vom sanften Gezwitscher der Vögel begrüsst –  Nachts zirpen die Grillen und die wunderschönen Melodien der Nachtigall wiegen in den Schlaf …

All das macht für mich auch  den Sommer aus… Diese Fülle, dieses Überschwängliche von Mutter Natur.

Und wenn die  Sommersonnenwende gekommen ist, ist es an der Zeit, der Göttin zu danken. Alles Alte vom letzten Sommerjahr  zu verbrennen und damit auch alte Sorgen, Krankheiten, vielleicht sogar Schadenswünsche von anderen. Aber auch neue Wünsche und Gedanken kommen auf den Weg. Und es werden wieder  immer mehr heidnische Feuer brennen,  in vielen Ecken dieser Welt. Alle vereint an einem Tag; auch wenn doch ganze Kontinente dazwischen liegen.

Wer kann, feiert dieses große Fest zusammen mit anderen, mit Freunden, Hexenschwestern und -Brüdern, mit seinem Zirkel oder mit der Familie. Oder eben auch ganz allein, nur mit der Göttin, der Mutter Natur mit all ihren magischen  Wesen und Geistern. Mir persönlich  geht es auch gar nicht darum, unbedingt  mit anderen diese Zeit zu teilen  und  zu feiern. Mehr geht es mir um die Vereinigung mit der magischen Welt, mit der anderen Welt hinter den Schwellen. Denn auch zur Sommersonnenwende, wie zu all solchen „Hohen Feiertagen„, ist auch hier wieder das Tor zur Anderswelt offen und man kann die Schwelle wieder überschreiten. Sich umgeben mit all den Wesen aus der magischen Welt, ihre Magie spüren und ihnen nah sein . Besonders aber der Göttin .

Am frühen Abend vor dem Tag der Sommersonnenwende bin ich  noch zu meinen Wiesen, im Naturschutzgebiet “ Okerauen“  gewandert, wo alle Felder und Wiesen  schon  mit leichtem Nebel durchzogen waren. Ich setzte mich an die großen Weißdorn- und Schlehdornhecken, die hier viele Wiesen umgeben und begrüßte wie zu alten Zeiten die Wesen, Geister und Ahnen jenseits der Hecken. Um mich herum flatterten kleine Geistermotten und das Krächzen der Raben, die hinter den Hecken auf großen Bäumen saßen, begleiteten mich.

Ich hörte wie die Sturmtöchter  in den Bäumen und Büschen flüsterten und ich fing spontan an  zu reimen und leise zu singen:

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Begrüsse das Licht

„Zwischen den Welten, wo unsere Gesetze gelten,

werden wir spinnen und weben,

werden wir singen und tanzen,

wollen wir leben und schweben,

zur ganz besonderen Stunde,

über diese Welt, so wie es uns und

der Göttin gefällt „

Ich wanderte sprichwörtlich durch die Nebel . Ein leises Zwitschern war  zu hören, so als würden die Vögel  flüstern. Und in den Nebelschwaden sah man die Schatten der Rehe auf den Wiesen, aber auch andere Schatten waren dort von mir nicht unbemerkt geblieben.  War am Ende die Göttin selber gekommen? Scheinbar ja, denn sie hatte meinen Wunsch erhört und schenkte mir einen Feldhasenschädel. Er wurde wohl von einem Raubtier oder -Vogel gerissen und nicht erschossen, was es für mich leichter machte, den Geist des Tieres, der manchmal noch an dem verwesenden Körper hängt, über die Schwellen zu geleiten.

Ganz früh am Morgen der   Sommersonnenwende dann, bin  ich erstmal  in meinen Garten gegangen, um  mir den Sonnenaufgang anschauen und dabei die Sonnenfrau zu begrüßen. Leider war der Blick auf das Morgenrot recht kurz , da sich Wolken vor diesen schönen Anblick schoben. Und so blieb es auch fast den ganzen Tag über; wolkig und sehr windig… so als wollten die Sturmtöchter ganz allein  die Sonnenwende feiern. Doch die Göttin Hulda blieb mehr oder weniger gnädig, denn es regnete nur einmal ganz kurz. Es war, als würden viele große Murmeln  vom Himmel fallen und so schnell wie  es begonnen hatte, war es auch schon wieder vorbei. Ich habe den Tag über viele kleine, magische Pulver hergestellt (schließlich ist ja auch noch abnehmende Mondin)  und  ein paar Kräuter verarbeitet, wie  Gundermann, Beifuss, Frauenkraut und Johanniskraut, Lavendel, Mädesüss, die ich Tags zuvor auf den Wiesen gesammelt hatte, denn diese Pflanzen blühen alle bereits. Daraus habe ich auch einen kleinen Kranz geflochten, für die Göttin, dazu gab es  noch etwas Wasser, Muttererde, sowie  etwas Obst und Brot, als Gaben und Dank für ein behütetes halbes Jahr seit der Winterwende  und mit der Bitte um ein weiteres, gutes Sonnenjahr.

Später, als dann endlich die Dämmerung hereinbrach,  ging ich wieder  in den Garten und zündete das Sonnenwendfeuer an, wo  ich alle alten Kräuter und Beifussbüschel  vom letzten Sommer verbrannte und kleine Wunschzettel kamen mit ins Feuer. Um über das Feuer zu springen war der Feuerkorb leider etwas zu hoch, aber ich bin dreimal drumherum gelaufen… Die Asche der verbrannten Pflanzen habe  ich dann später im Garten verstreut, damit aus dem Alten etwas neues enstehen kann. Und als ob Hulda mich erhört hatte, als ich um etwas besseres Wetter bat, verschwanden die Wolken rechtzeitig zum Sonnenuntergang und ein sternenklarer Himmel zeigte sich.

Ich stand nun allein in der Dämmerung in meinem Steinkreis und schaute mir das Himmelsgewölbe an. Plötzlich erschien mir der Himmel wie  eine riesige Kuppel (ja ich weiß, sie ist auch eine – aber man empfindet es nicht immer so, von hier unten ), alle Sterne bildeten einen Kreis und in der Mitte leuchtete der hellste Stern. Ich bekam auf einmal das Gefühl zu schweben  (ohne Besen oder Besenersatzstoffe), direkt unter dieser glitzernden Kuppel.  Alle störenden Geräusche, wie die, der in unserer Nähe verlaufenden Autobahn, waren komplett ausgeblendet oder sie schienen verstummt.  Nur eine kleine Nachtigall sang im nahe gelegenen Wäldchen und ein kleines Leuchtkäferchen schimmerte in tollem  Neongrün, direkt neben meinem Steinkreis .

Es war ein wunderschönes  Erlebnis , vereint mit den Mächten von Licht und Schatten . Von Sonne und Mond, den Sternen und den Elementen, wie dem Feuer, das vor mir laut prasselte, dem Wasser, welches ich in einer kleinen Schale in meinen Steinkreis stellte und der Erde unter meinen Füssen. Einfach nur dazustehen, ohne großes Ritual und Schnickschnack, nur  einfache, pure und wunderbare natürliche Magie! Wie unvergesslich schön…

Nun hat  sich das Rad der Jahreszeiten wieder ein  kleines Stück weiter gedreht, die Zeit fließt dahin, wie das Wasser eines Flusses.

Quellen:

– Text :  St.Stoige

– Bilder: Pinterest(Urheber unbekannt)

Alle Texte und auch teilweise Bilder sind mein Eigentum! Kopieren ohne meine Einwilligung nicht erlaubt. Bei Interesse an der Verbreitung einer meiner Artikel, bitte eine E-Mail an mich, oder auf Facebook anschreiben!

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Ein Kommentar zu “Die Zeit des Mittsommers

  1. Serafia_Serafin
    23. Juni 2014

    Wunderschön 🙂 Danke, dass du das teilst

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